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Tibet–Lhasa

Tibet gilt seither als verbotenes Land. Frueher wurden den Auslaendern, die es besuchten, die Glieder von tibetischen Grenzwachen abgehackt und den Geiern verfuettert, heute sind es Visarestriktionen und Einreisebestimmungen, die einen Besuch schwer machen. Tibet ist auch heute noch ein heikles Thema, deshalb beschraenke ich mich auf dieser Homepage mit einer reinen Beschreibung, ohne naeher auf irgendwas einzugehen.

 

Von Chengdu aus nahmen wir einen Zug Richtung Lhasa. Klingt einfach, ist es aber eigentlich nicht. Tibet liegt auf durchschnittlich 4500m (!!!) Hoehe, Lhasa auf 3700m. Die Durchschnittshoehe in Tibet ist aehnlich der der hoechsten europaeischen Gipfel, mit allen damit verbundenen Problemen. Keine Vegetation (wir sind ja ueber der Baumgrenze), gnadenloses Klima, duenne Luft. Tiere verenden hier fast zwangslaeufig, nur einige besonders bestaendige Ponies und die allgegenwaertigen Yaks ueberleben hier. Manchmal auch noch Ziegen oder Schafe, und der ein oder andere tibetische Mastiff. 44 Stunden sassen wir im Zug. China hat ein recht krankes System von subventionierten Zugfahrten. Die Staatsangestellten in unserem Abteil zahlten 2 Yuan (20 Eurocent) fuer den Trip, wir 1200 pro Kopf. Normalsterbliche Chinesen haetten genausoviel gezahlt…

 

Angekommen in Lhasa, wurde uns dann doch erstmal in der duennen Luft mit schweren Taschen etwas schwindelig. Aber wir wurden von unserem Guide abgeholt und direkt ins Hotel verfrachtet, wo wir mit Buttertee willkommen geheissen wurden. Eine nette Art, jemanden zu begruessen, wenn man ihn direkt wieder weghaben will. Widerliches Getraenk!

 

Wir waren im Jokhang-Bezirk von Lhasa untergebracht. Verwinkelte Gassen mit alten Gebaeuden, ueberall kleine Marktstaende, eine Unzahl von Menschen und Geruechen… Ein wirklich tiefer erster Eindruck. Das ganze Viertel zentriert sich um den Jokhang-Tempel, der taeglich von abertausenden in einer kora (Religioese Umrundung) gezirkelt wird. Viele Pilger kasteien dabei. Sie gehen drei Schritte, fallen auf die Knie und rutschen mit ihrem ganzen Koerper einmal ueber den Boden. An den Ecken des Tempels stehen Brennoefen, in die Pilger ein Gebuesch werfen, das auf dem tibetischen Plateu waechst. Verbrannt gibt es einen sehr starken Geruch ab, wie Raeucherstaebchen, der den ganzen Bezirk einnebelt.  Vor dem Tempel standen dann wieder tausende von Betenden, die immer wieder mit einem Mantra auf den Lippen auf die Knie fielen.

 

Der Jokhang Tempel von innen war sehr eindrucksvoll, dunkel und irgendwie unbeschreiblich. Es ist die Mischung aus der verbrennenden Yak-Butter, mit der die Kerzen befeuert werden, den nach hunderten von Jahren immernoch duftenden Sandelholzbalken, die als Saeulen das Dach abstuetzen und den Mantras, die Betende und Moenche bestaendig murmeln. Der Jokhang ist auf eine gepflegte Art verfallen, verstaubt und abgebetet, genauso wie man es von einem solchen Tempel erwarten wuerde, und hat nichts von der modernen Anmutung der chinesischen Tempelreplikas oder der aufgeraeumten, sauberen Sterilheit renovierter europaeischer Kirchen.

Spaeter besuchten wir ein Kloster, indem noch aktiv junge Moenche ausgebildet wurden. Wir durften Sandmandalas bestaunen, die die Moenche mit farbigen Sandkoernern und ohne jeden Kleber oder andere Hilfsmittel gestalten. 2 Finger und ein Eimer Sand… Unglaublich. In einem Innenhof fand gerade die Philosophieklasse statt: Die Moenche wurden in Paerchen aufgeteilt. Einer sass und empfing die Fragen des anderen, die dieser ihm mit einem lauten Haendeklatschen ins Gesicht schrie. Leider war unser tibetisch zu beschraenkt, um irgendwelche Inhalte mitzubekommen, aber heute war das Thema anscheinend die “ic” definition…..

 

Ein Tag spaeter ging es zum Potalapalast, der Residenz des Dalai Lamas.  Die chinesische Regierung hat uns wiedermal 200 Yuan Eintrittsgeld abgeknoepft, die wohl wieder direkt nach Beijing gehen, wie so oft. Der Palast hatte einige Stufen, aber viel weniger als wir erwarteten bzw gewarnt worden waren. Die Sicht von oben war sehr schoen, wenn auch getruebt von einem unglaublich haesslichen Denkmal zur “friedlichen Befreiung Tibets”, das die wundervollen Befreier direkt vor dem Potala errichteten, und den schoenen See konsequent wegbetonierten. Betonieren koennen sie gut, die Chinesen.

Der Potalapalast lebt wie der Jokhang von seiner Stimmung, vielleicht ist es auch besser so, dass in beiden keine Fotos erlaubt waren. Das labyrinthische Innere des Palastes strotz vor Mandalas und verschiedenen Buddhastatuen, durch die vielen Nischen und colorierten Fenster herrscht ein besonderes Licht innen, in dem der Rauch der Inzens’ Schattenspiele an die Wand wirft. Wirklich eine wichtige Erfahrung, durch den Potala gewandert zu sein..

 

 

Der Rest von Lhasa ist eher eine Enttaeuschung. Dank chinesischer Betonierkuenste wurde ausserhalb des Jokhangtempelbezirks ein heisser Tipp auf die vielleicht haesslichste Stadt der Welt geschaffen, nur  noch uebertroffen von Hohott, einer anderen chinesischen Zementgeburt. Besonders unpassend ist, dass irgendwo im Nirgendwo eine etwas breitere Strasse errichtet wurde, in der sich Designerladen an Designerladen reiht (Dior, Gucci etc), und die Verkaeuferinnen sich zu Tode langweilen, da kein Mensch in Lhasa in einen Gucciladen shoppen geht. Wessen krankem Hirn diese Gedanken wohl entsprungen sind….

 

 

Dach des Jokhang Tempels

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Jokhangplatz zu ruhiger Zeit, mit Nippeslaeden und Betenden. Etwa in der Mitte einer der Rauecheroefen

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Blick auf den Potala, im Bildvordergrund Raeucheroefen und Gebetfahnenturm

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Tibeterin betaetigt Gebetsmuehlen in den Strassen von LhasaOLYMPUS DIGITAL CAMERA

 

Die engen Gassen mit Marktstaenden

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Gebetsmuehlen im Hauseingang

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Nahaufnahme des Sandmandalas

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Teilaufnahme des Sandmandalas (es war insgesamt ca 1 qm)

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Diskutierende/philosophierende Moenche

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Der Potala

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Eingang zum Potala-Inneren

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Blick vom Potala-Eingang

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tibetische Tuer

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Sommerresidenz des Dalai Lama

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Der Teich, indem der Dalai Lama immer seine Fische gefuettert hat, die er jetzt arg vermisst (wahre Geschichte)

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Wand der Sommerresidenz

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